Sonntag, September 06, 2009

Interview, Teil 2

Hallo Herman!

Hallo Shadow! Hier bin ich wieder. Ich hab da noch ein paar Leserbriefe mit Fragen zu Deinem Problem

Puh, ich dachte schon Du bist weg.Na dann schiess mal los!

Leser X. aus Musterstadt will wissen, wie häufig denn Deine Krankheit so vorkommt in der Bevölkerung.

Lustig, dass Du genau das jetzt frägst. Wenn ich von der Krankheit erzähle, kommt es mir so vor, als renne ich offene Türen ein. Viele Leute denken sie hätten das auch bzw. scheinen sie die Problematik bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen zu können. Das ist gut, denn es sorgt für viel Verständnis.
Trotz allem fehlt bis zu einer "Störung" der Persönlichkeit noch ein gutes Stück.
Fakt ist jedoch, dass eine "geringe" Persönlichkeitsstörung bereits bei ca. 1% der Bevölkerung vorkommen kann. Bei stärkeren Ausprägungen, wie bei meiner, liegt das ganze wahrscheinlich irgendwo im Promillebereich. Ich möchte mich hier nicht festlegen, fixe Zahlen gibts hier nicht.


Leser P. aus F. will wissen, ob dich Deine Krankheit an der Ausübung deiner Hobbies behindert, oder ob es nicht sinnvoller wäre, du lässt sie bleiben und wirst buddhistischer Mönch.

*lacht*
Auch über diese Problematik habe ich lange mit meinem Therapeuten gesprochen.
Alle meine Hobbies sind absolut geeignet mir zu helfen und meine Krankheit besser in den Griff zu kriegen. Egal ob es Figuren bemalen ist, oderob ich mit Elbenohren und Bogen durch einen Wald laufe, und Edis opfere. Alles was ich mit Herzblut tue soll ich auf jeden Fall weitermachen! Es zieht mich aus der Depression und fördert mich.
Viele meiner Freunde haben sich deshalb schon Sorgen gemacht, aber in Wirklichkeit betsteht kein Grund dazu. Gerade die "ausgeprägten" Seiten meiner Persönlichkeit, seien es das exakte bemalen meiner Figuren oder das Stundenlange grübeln über einer Szene eines Larps oder Pen and Paper Abenteuers, mein Enthusiasmus für Projekte in der Arbeit wo jedes Detail durchgeplant wird, sind lt. meinem Therapeuten die Vorteile meiner Persönlichkeit.
Es geht in dieser Therapie nicht darum die Vorteile zu kappen oder mich einzugrenzen, sondern die Nachteile zu minimieren. Das heisst, dass es auch Schattenseiten gibt mit denen ich mich ziemlich abwerte. Und das abwerten führt in die Depression. Und Depression ist schlecht. Ich versuche ein Beispiel zu geben.
Jemand, zum Beispiel mein Chef, meint ich hätte eine Arbeit nicht gut gemacht.
Es wäre zu oberflächlich und voller Rechtschreibfehler. So etwas löst in mir negative Prozesse aus, die ich hier schwer niederschreiben kann. Sagen wir mal so.
Es beginnt in mir zu "nagen" und zu "nagen" und zu "nagen". Ich werte mich ab weil mein Chef mich kritisiert hat und das kann bis in eine Depression führen.
Sowas gilt es zu stoppen und entgegenzusteuern. Ich lerne quasi in meiner Therapie Konzepte um mit Kritik besser umzugehen oder mit Konflikten zu leben.


Heisst das, wir müssen dich jetzt mit Wattehandschuhen anfassen?
Dich schützen? Dich von allem Leid bewaren?


Nein.*schluckt*
Es ist vielleicht nicht schlecht wenn gerade meine Freunde wissen was mit mir los ist und meine Problematik kennen. Einfach um mich besser zu verstehen. Aber ich nehme all meinen Karma Kagyü Kampfgeist zusammen und werfe mich im Moment in jeden Konflikt. Nur so kann ich besser lernen damit umzugehen. Es gibt leider kein Leben ohne Konflikte, auch wenn ein Teil von mir sich nach Harmonie sehnt, dass es nicht mehr lustig ist.
Es wird ein harter Prozess und es gibt viel zu lernen in der nächsten Zeit.
Aber ich schaff das! Aber jetzt machen wir mal ne Pause und schaun mal was morgen so in meinem Postkasten los ist...